über das neue #5

[…] Die Innovation valorisiert gerade die Aspekte des profanen Raums, von denen sich dieser selbst im Zuge der Bildung gerne befreien würde, die er überwinden möchte und die besonders ungeliebte Zeichen seiner Profanität sind. Dadurch, daß sich das elitäre Bewusstsein dem Profanen zuwendet und aus den profansten Dingen neue, exklusive Moden macht, stellt es sein elitäres Werk in immer neuen Formen wieder her, weil es sich von der gebildeten Masse und ihren zivilisatorischen Normen ständig entfernt. Dies wird durch die Demokratisierung und Massenproduktion der valorisierten Kultur ebenfalls permanent in Frage gestellt. Während sich die Masse dem als kulturell wertvoll Anerkannten zuwendet und es damit entwertet, besteht die kulturökonomische Strategie darin, diese Entwertung der kulturellen Werte durch die Valorisierung des Wertlosen zu kompensieren. Daher ist die Valorisierung des Wertlosen gleichermaßen ein Zeichen der Demokratisierung der Kultur wie auch des Widerstandes gegen diese Demokratisierung.

Boris Groys, »Über das Neue« (1992).

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