über das neue #6

Kunstwerke oder theoretische Diskurse, die die Innovation ihrer Zeit nicht kennen oder nicht berücksichtigen, werden aus dem kulturellen Gedächtnis verdrängt sein und in den profanen Raum als Gegenstände der Massenkultur überwechseln, obwohl sie als kulturelle Werte erdacht wurden und sogar eine Zeitlang als solche funktioniert haben können. […] Im kulturellen Gedächtnis wird also nicht das aufbewahrt, was seine eigene Zeit transzendiert, nicht das, was das Universelle, Außerzeitliche, Ewige und Wahre repräsentiert, sondern das, was am radikalsten zeitgebunden ist: es ist in der Tat überflüssig das Ewige kulturell aufzubewahren.

Boris Groys, »Über das Neue« (1992).

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