Über das neue #6

Bei eingehender Betrachtung stellt sich jedoch heraus, daß Produktion selbst nur eine bestimmte Form des Verbrauchs ist, während die reine Kontemplation, d.h. der reine Verbrauch, neue Werte zu erzeugen vermag.
Der Grund dafür besteht hauptsächlich darin, daß nur dann, wenn neue Verbrauchsformen geschaffen werden, auch die Produktion entsteht, die diesen Verbrauch decken muß. Letzten Endes ist die innovative Praxis also nicht Produktion, Arbeit oder ästhetisches Gestalten, das als Fortsetzen der valorisierten Kultur zu verstehen ist, sondern der kontemplative Wandel in den Verbrauchsweisen, ein neuer Umgang mit den Dingen sowie ihre Auf- und Abwertung. […] Die Kommerzialisierung dieser Aufwertung schafft Moden, auf die als Reaktion ein neuer innovativer Tausch folgt, der dann wieder von der Kommerzialisierung abgelöst wird. Der kontemplative Umgang mit den Werten der Kultur, der ihre http://deutsche-edpharm.com/cialis/ reine Konsumierung, Vernichtung, Verschwendung bedeutet, hat also auch in unserer produktionsorientierter Kultur immer noch seine Gültigkeit. Der tiefere Grund dafür ist sicherlich die ständige Bedrohung des Produktionsprozesses, die in den kontemplativen, kulturellen Formen beschworen wird. Das Profane ist […] eine nie versiegende Quelle der Angst vor der völligen Vernichtung der Kultur und aller ihrer Werte sowie der vollständigen Auslöschung aller kulturellen Hierarchien. Daher wird jede Kritik an der Kultur, auch die radikalste, von ihr selbst begrüßt und valorisiert, denn diese Kritik bleibt weiterhin innerkulturell. Es wurde längst festgestellt, daß die destruktivsten, dämonischsten, aggressivsten, negativsten und profanierendsten Texte der Kultur gern von ihr angenommen werden, während kein »positiver«, wohlmeinender, konformer Text echten Erfolg in ihr haben kann.

Boris Groys, »Über das Neue« (1992).



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