korruption und volksfeind

gisela nauck hat im deutschlandfunk eine sendung über die heutige lage der neuen musik in russland gemacht : http://www.deutschlandfunk.de/russland-1917-und-2017-widerstand-des-materials.1990.de.html?dram%3Aarticle_id=393554
 
vielen dank dafür!
 
diesbezüglich möchte ich hier ein paar gedanken loswerden, die ich schon längst loswerden wollte :
 
das präkere an dem politischen system in russland besteht nicht in der abwesenheit von sogennanten freiheiten oder in den verletzungen von sogennanten menschenrechten, oder sonst etwas, was zu den sogennanten „grundlagen“ einer demokratie gehören, sondern in der – zumindest partiellen, aber zunehmenden – restauration (unter den bedingungen des liberalen kapitalismus) von mechanismen des machterhalts, die – unter anderem – der stalinismus hervorgebracht hat. es handelt sich um das schaffen des feindbildes. es durchdrung das ganze system allgegenwärtig wie äther. es hieß volksfeind. im rahmen der ideologie ermöglichte dieses werkzeug eine nachvollziehbare rechtfertigung der beseitigung von politischen „gegnern“. das einzige, was gemacht werden musste, um diejenigen zu eliminieren, die man nicht so gerne hatte, war sie zu volksfeinden zu erklären. ohne ein gerichtsverfahren. und da waren die weg. stalin schuf ein globales feld, ein koordinatensystem, dessen ursprung der begriff des volksfeindes war.
 
heutzutage in russland ist dieser koordinatenursprung des politischen systems durch korruption ersetzt – also auf die art und weise wurde der mechnismus an das globale wirtschaftssystem angepasst. wenn man so will, ist korruption das resultat eine übersetzung des rein ideologischen begriffes des volksfeindes aus dem stalinismus in die heutige ideologie des liberalen kapitalismus und des autoritarismus, da die plansprache heutzutage geld heißt. die korruption dient also den gleichen zwecken. genau nach der logik profitiert von korruption das heutige regime in russland : putin schuf einen apparat, in dem es einfach genug ist, leute als korrupt zu bezeichnen, und weg sind die. deswegen fördert putin korruption. und das, was als „kampf gegen korruption“ verkauft wird, ist im endeffekt das eigentliche funktionieren dieser logik : man „bekämpft“ korruption dadurch, dass man sie als werkzeug des machterhalts einsetzt : ein perfekter und obszöner teufelskreis.
 
russland kennt ja rechts oder links nicht. es gibt irgendwelche „politiker“. und die „liberaleren“ davon werden alibimäßig geduldet. also parlamentarismus gibt es nicht. und daher gibt es auch keinen wirklichen politischen kampf. es gibt nur mehr oder weniger öffentliche politische säuberungen – das eliminieren bzw. “abdämpfen„ der gerade unerwünschten akteuren aus der politischen landschaft.
 
deswegen fragt auch keiner, ob kirill serebrennikov und alexei malobrodski staatliche gelder wirklich mißbraucht haben oder nicht. alle sind einfach für kirill, klar. in der öffentlichkeit legen beweise weder dafür noch dagegen vor. keiner fragt nach, weil diese „rechtliche“ komponente einfach weggedacht wird, bewusst oder unbewusst, weil das recht in dem system einfach nicht exisitiert. und wenn cate blanchett petitionen unterschrebt, fragt sie auch nicht nach, weil es allen klar ist, dass es eine politische sache ist. das system ist durch und durch korrupt. und das ist eine konstante in der luft. wenn einer der macht nicht passt, wird er als korrupt bezeichnet und weg ist er.



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