ich bin schizo 3

klassenkampfflucht
auf der sprache des klassenkampfes: man beobachtet heutzutage den klassenfrieden – die scheinbare abwesenheit des eigentlichen klassenkampfes. die klassen kämpfen zwar, nur nicht gegeneinander. als antagonismus von produktionsverältnissen und produktionskräften ist er – zumindest partiell – erschöpft und wird transponiert in den bereich des kampfes gegen ein in der vergessenheit wiederholt geschaffenes feindbild, das die funktion des sündenbocks erfüllt: den flüchtling. ein frieden zwischen den klassen – der kampf gegen den flüchtling. der klassische konflikt zwischen den produktionskräften und den produktionsverhältnissen, die dialektik des klassenkampfes mit seiner ganzen unerträglich vorantreibenden last muss heutzutage ein geflüchteter in der dresdener bahn erleben. somit ist der klassenkampf selbst auf der flucht.

die ausbeutung hat mittlerweile solch ein niveau erreicht, dass man sogar froh ist, ausgebeutet zu werden. die selbstausbeutung (han) gilt dabei als das häufigste mittel zum überleben, also ist selbstausbeutung das überlebensmittel, da oft die eigene existenz auf dem spiel steht. es herrschen akzeptanz und status quo. sowohl die arbeitslosen als auch die lohnarbeiter kämpfen nicht gegen den ausbeuter – den kapitalisten – sie gehen zur arbeit, lassen sich ausbeuten, sie gehen nicht auf die strasse für bessere arbeitsbedingungen, sondern mit nazi-parolen, sie machen die geflüchteten für das elend verantwortlich, wählen afd und tauchen dadurch in eine noch viehischere und demütigendere ideologie ein. und das ist desperat: ein versuch aus der ideologie auszutreten scheitert und endet im sumpf einer noch böswilligeren. dieses phänomen lässt sich auch von einer anderen seite beobachten: es hat also nichts mit bildung oder sozialem status zu tun. einige vertreter der sogenannten gehobenen/gebildeten klasse (industrielle, intellektuelle, upper middle class usw.) kämpfen gegen dasselbe feindbild. hier haben wir es mit einer ziemlich obszönen konstellation zu tun: der kapitalist nimmt den arbeiter “in schutz”, zugleich beutet er ihn aus und wegen des elends, in welchem dann der arbeiter zu leben hat, beschuldigt er den flüchtling, der somit als objekt der veschachtelten ideologie auftritt: er ist der ausgebeutete und der ausbeutende zugleich. und darin besteht die wahre tragödie: die menschen, in denen sich auf eine schizophrene art die beiden seiten des klassenkampfes vereinigen, sind von dem dritten weltkrieg, angestiftet durch das empire im postkolonialen raum, geflüchtet. dieses los, die eigenschaften des ausbeuters und des ausbeutenden in sich zusammenzuschließen, ist die voraussetzung für ihre überlebensmittel: ihr überlebensmittelmeer (filanovsky).

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