ich bin schizo 4

prenzlauer berg
die menschen dort sind meist gebildet und aufgeklärt. sie haben es gerne schön. und natürlich sind sie von der unabdingbaren schizophrenie des sachverhaltes auch nicht geschützt: man macht mit, man mags nicht, aber irgendwie auch doch und man macht weiter mit. gegen das schlechte gewissen nimmt man dann das fair-trade-öko-placebo. dies spendet ruhe und gewährleistet gesunden schlaf. es gibt einem das gefühl, dass man nicht nur ein herzloser konsument in der gentrifizierten gehenna ist, sondern auch als ein besser werdender mensch etwas zu einer besseren welt beiträgt. also weiß der konsument, dass der klassenkampf wie auch immer gegen wen verloren ist und er akzeptiert seine niederlage, indem er das rechtfertigende angebot der ideologie annimmt und sich dadurch für die postkoloniale misere illusorisch entschuldigt. man zahlt nur ein bisschen mehr: eine kleine postkoloniale solidaritätssteuer. sie wissen, was sie tun und sie tun es trotzdem (žižek). durch diese indulgenz versucht man aus der ideologie auszutreten, indem man etwas gutes tut, etwas dagegen macht, man gelingt aber in eine falle, die die ideologie errichtet hat, um sich zu rechtfertigen: man bezahlt menschen aus afrika “fair”, damit sie etwas länger fair fern bleiben und das ganze elend bei sich zuhause besser verkraften können (žižek). afrika musste ja naturressourcen exportieren, heutzutage muss der kontinent menschen exportieren.
die flucht erscheint hier als eine der effektivsten und der zynischsten, wenn nicht die zynischste erscheinungsform der ideologik schlechthin, die genau das verlassen des ideologischen raumes unmöglich macht. auf diese art ergibt sich eine dead-end-situation, in der jeder potenziell aus der ideologie führender schritt im ideologischen schlamm versinkt. das sich-bewusst-machen von dieser tatsache, vom abgründigen unterschied zwischen der wirklichkeit und der realität, von der unmöglichkeit die eigentliche realität zu erleben, ist die grundlage für die ideologiekritik, die dann dazu verdammt ist, verschluckt, verdaut und in form von flötenmultiphonics ausgeschieden zu werden.

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