ich bin schizo 5

instagram
der rund um die uhr leuchtende touchscreen ist ein teil der globalen kanalisation, durch die sich die ideologie geschmeidig ausbreitet. die smartphones – gepaart mit den sozialen netzwerken – spalten die ohnehin bestehenden wirklichkeiten oder sogar: sie deligieren uns diese aufgabe, die wir freiwillig, dienend und gehorsam erfüllen. mittlerweile existieren apps, mit denen sich ein bierbauch in ein sixpack umwandeln lässt. instagram macht jedes ding zu seinem besseren klon: in der durch die app geschaffene wirklichkeit beschleunigt sich die evolution selbst: alles wird schöner, perfekter, glänzender (han) und konsumierbarer: der glitzer-bierbauch wird zu einer urgeilen version von sich selbst, wird überaus begehrenswert und anlockend, wir werden zu elstern – und tada! – : der jetzt-einkaufen-button wird gepickt. in den sozialen netzwerken wird es freiwillig und illusionär zur schau gestellt, dass man wohlhabender, erfolgreicher und dass das eigene leben besser und stressfreier ist, als in der wirklichkeit. es wird eine fassade errichtet, die dann zu überzeugen hat, dass die ganze misere draußen gar nicht so schlimm sei. auf diese art wird die ideologie aufgehübscht und wir begehren sie weiter. im schizophrenen kosmos imaginiert man sich selbst, man varieert sich, stärkend ohnehin schizophrene situation: um sich zu verwirklichen, schafft man sich wirklichkeiten. in einem endlosen labyrinth erzeugt man umkopien von sich selbst, dissoziierend in der ideologischen lösung, ohne einen weg zur realität zu finden.

zimmer
“gehts du heute abend ins fühlkino, henry?” fragte die prädestinationsassistentin.
“der neue film im gloria-palast soll prima sein. es kommt eine liebesszene auf einem bärenfell darin vor. einfach wundervoll, sagen die leute. man spürt jedes einzelne bärenhaar. unglaubliche fühleffekte.”

aldous huxley, «schöne neue welt»

man überlegt heutzutage ziemlich grundsätzlich, ob man einen film im kino guckt und dafür geld ausgibt oder lieber zuhause vor dem ohnehin bezahlten netflix bleibt. und falls man sich doch für die extra-outside-behandlung entscheidet, kriegt man eine verhältnissmäßig günstige ideologie-injektion. als sich adorno und horkheimer 1944 wegen des hollywood-kulturbetriebes zurecht aufregten, ahnten sie vermutlich schon, dass es nur noch infamer werden kann. im kommerziellen bereich werden heutzutage produktionen entwickelt, die den anspruch haben, eine weitere wirklichkeit zu schaffen. der technische fortschritt ermöglicht das erzeugen von bildern und klängen, die wirklicher als die wirklichkeit selbst sind. auf der wahrnehmungsebene erlebt man reize, die im leben draußen gar nicht zu erleben sind. dies wird gängig und gerne als hyperrealismus bezeichnet, wobei es mit der realität genau so wenig gemeinsam hat, wie gonorrhö und honorar. das verfahren fälscht die wirklichkeit und erzeugt eine weitere, die realität noch stärker verschleiernd. es werden primäre, archaische mechanismen in gang gesetzt, die uns dann überzeugen sollen: wenn schon so tolle erfahrungen mit den bildern erlebt werden können, kann das ganze doch nicht so schlimm sein. ein kino mit seinem propaganda-potenzial wird zu einem heiligen ort, einem ort des erhabenen, einem tempel der ideologie, in dem auch jeder sound wie ein falscher diamant poliert, geformt und in die krone der ideologie gesetzt wird. hans zimmer mit seinem braven sklaventeam erscheint hier als juwelier.

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