ich bin schizo 8

die kunst muss unterscheidungen schaffen, sonst kann sie vom alltag nicht getrennt und als kunst nicht erkannt werden (luhmann). die kunst kreierte im laufe ihrer geschichte neue medien bis sie den logischen endpunkt dieses prozesses erreicht hat:

ein blick in die geschichte der kunst zeigt, daß naturale medien (wahrnehmungsmedien) zwar immer vorausgesetzt sind, aber daß die kunst sich im laufe ihrer entwicklung zusätzlich eigene medien schafft, und zwar deshalb, weil sie unterscheidungen anbringen will.

die verwendung der gesellschaft als medium wäre der logische abschluss einer solchen entwicklung, ihr non plus ultra. denn da die kunst als kommunikation selbst vollzug von gesellschaft ist, könnte sie sich dann auch selbst als medium verwenden und in einer art von logischem kurzschluß kollabieren, anstrengungen in dieser richtung, in der die kunst sich schließlich alles erlaubt, sind auf programmatischer ebene unschwer auszumachen.
(niklas luhmann, das medium der kunst)

oder mit anderen worten: die kunst hat ihr mittlerweile als allgemeinplatz geltendes ende des materiellen materialfortschritts erreicht, ohne dabei die schizophrenen schmerzen zu beseitigen. und die ideologie betreibt im transmedialen raum unaufhörlich ihr forschungsprojekt für das eigene kanalisieren, sie dringt durch und in jedes medium sowie in uns ein, egal ob durch klang, licht, luft, smartphone, tablet, instagram, facebook, fernsehen, radio, ampel, stuhl. mit ihren zwanghaft begehrbaren produkten und listigen lügen kurbelt sie unsere von ihr tückisch enteignete libido an, sodass wir zunehmend auf sie stehen. sie benutzt jede möglichkeit und durch den technischen fortschritt sind diese möglichkeiten unerschöpflich. sie überzeugt uns in der indiffirenz zwischen der realität und den von ihr selbst geschaffenen – und von uns sehbaren – wirklichkeiten, zwischen denen wir leben, bevorzugt sie aber mediale indifferenz und macht keinen unterschied, womit sie sich kanalisiert. anything goes für sie. sie ist universell und sie schafft immer neue universelle medien. sie konstruiert minutiös und aktualisiert regelmäßig ihre mediale sprache. und solange sich der menschliche körper noch einen minimalen autonomieraum leisten kann, ist diese “linguistik” in der form unerschöpflich. die evolution der ideologie hat den sachlichen materialstand der kunst längst überholt. und solange dies alles geschieht, bleibt auch die kunst bestehen, da die ideologie eine grenzlose quelle des materials anbietet.

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