ich bin schizo 9

POSTPROLEGOMENON 1
deleuze und guattari erörtern in «anti-ödipus» den begriff der schizophrenie über seine gewöhnliche verwendung in der psychoanalyse hinaus. die grundlegende idee besteht darin, dass der schizophrene bewusstseinzustand nicht nur die in der psychiatrie zu behandelnden “kranken” betrifft, sondern uns im kapitalismus befindlichen alle: das ganze leben wird durch die drangsal begleitet: man wird unverzichtbar gezwungen, zwischen der existenz und dem leben zu oszilieren, da der kapitalismus – um sich aufrechterhalten zu können – ständig spaltungen erzeugt und zwar total. wir sind patienten und die schizophrenie ist unser normalzustand. die frage des verhältnisses zwischen der(n) wirklichkeit(en) und der realität ist ein teil dieser diagnose. der patient ist stark von der schizophrenie betroffen, da seine haltung zu seiner handlung durch die ideologie gespalten ist: in dem sinne sind wir alle prenzlauerberger: man mag nicht, man macht mit, wir versuchen die realität anzufassen, sie vorsichtig anzutasten, wir glauben, dass wir uns durch das dichte gewebe durchschlüpfen können. dieser glaube ist wie immer teuflerisch täuschend und statt der realität erleben wir eine weitere spaltung durch das fangeisen auf der anderen seite.
ENDE DES POSTPROLEGOMENONS 1

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