ich bin schizo 11

das bezugnehmen auf den alltag in einer künstlerischen arbeit, die kritische auseinandersetzung mit der unmittelbaren umgebung des kunstwerkes und seines entstehens ist spätestens seit duchamp keine neuigkeit. gleichwohl entstehen verstärkt und verspätet in letzten jahren denkweisen auch im bereich der neuen musik, die als unmittelbare reaktion auf die sich immer weiter expandierte ideologie sowie auf die dadurch immer rasanter zunehmende schizophrenie unserer gegenwart zu interpretieren sind. so befasst sich beispielsweise der begriff der diesseitigkeit als phänonenologie der gegenwärtigen entwicklungen im bereich der neuen musik sowie als arbeitsmotto (n.a. huber) zugleich mit dem problem schon in dem sinne, dass die basis dieser herangehensweise eine künstlerische auseinandersetzung mit den zu erlebenden wirklichkeiten ist. immerhin fehlt dabei eine komponente, die darauf einginge, was hinter den wirklichkeiten steckt – sprich, auf die realität und ihre durch die ideologie verursachte unzugänglichkeit. so weist nicolaus a. huber darauf hin, dass der begriff der diesseitigkeit als solcher undialektisch sei und eine gewisse jenseitigkeit dazu auch gehöre. dem begriff fehle der gegenpol. wobei die dyade diesseits/jenseits hier keinesfalls im metaphysichen sinne (leben nach dem tod oder ähnlicher blödsinn) zu verstehen ist, sondern als verhältnis zwischen den diesseitigen wirklichkeiten und der durch die ideologie jenseits unzugänglichen realität. die funktion der kunst bestehe dann im zeigen der unmöglichkeit des zeigens dieser zum teil und nach kräften imaginäre differenz zwischen den wirklichkeiten und der realität. und in dieser differenz, in der kompletten verschleierung der realität, im verzerren der sachverhalte bis zur unkenntlichkeit, im erheben der realität wegen ihres fatalen unzugänglichseins zu einer art gottheit, im verleihen ihr den status des erhabenen besteht die falsche poesie der ideologie.

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