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neo hülcker: « a body essay. fiction actually »

eine wunderschöne arbeit von neo hülcker.
es spielt mam:

ich bin schizo 4

prenzlauer berg
die menschen dort sind meist gebildet und aufgeklärt. sie haben es gerne schön. und natürlich sind sie von der unabdingbaren schizophrenie des sachverhaltes auch nicht geschützt: man macht mit, man mags nicht, aber irgendwie auch doch und man macht weiter mit. gegen das schlechte gewissen nimmt man dann das fair-trade-öko-placebo. dies spendet ruhe und gewährleistet gesunden schlaf. es gibt einem das gefühl, dass man nicht nur ein herzloser konsument in der gentrifizierten gehenna ist, sondern auch als ein besser werdender mensch etwas zu einer besseren welt beiträgt. also weiß der konsument, dass der klassenkampf wie auch immer gegen wen verloren ist und er akzeptiert seine niederlage, indem er das rechtfertigende angebot der ideologie annimmt und sich dadurch für die postkoloniale misere illusorisch entschuldigt. man zahlt nur ein bisschen mehr: eine kleine postkoloniale solidaritätssteuer. sie wissen, was sie tun und sie tun es trotzdem (žižek). durch diese indulgenz versucht man aus der ideologie auszutreten, indem man etwas gutes tut, etwas dagegen macht, man gelingt aber in eine falle, die die ideologie errichtet hat, um sich zu rechtfertigen: man bezahlt menschen aus afrika “fair”, damit sie etwas länger fair fern bleiben und das ganze elend bei sich zuhause besser verkraften können (žižek). afrika musste ja naturressourcen exportieren, heutzutage muss der kontinent menschen exportieren.
die flucht erscheint hier als eine der effektivsten und der zynischsten, wenn nicht die zynischste erscheinungsform der ideologik schlechthin, die genau das verlassen des ideologischen raumes unmöglich macht. auf diese art ergibt sich eine dead-end-situation, in der jeder potenziell aus der ideologie führender schritt im ideologischen schlamm versinkt. das sich-bewusst-machen von dieser tatsache, vom abgründigen unterschied zwischen der wirklichkeit und der realität, von der unmöglichkeit die eigentliche realität zu erleben, ist die grundlage für die ideologiekritik, die dann dazu verdammt ist, verschluckt, verdaut und in form von flötenmultiphonics ausgeschieden zu werden.

carola schaals und alexander schuberts « acceptance »

eine wunderschöne zusammenarbeit von carola schaal und alexander schubert. chapeau!
trailer:

 
http://www.alexanderschubert.net/works/Acceptance.php

ich bin schizo 3

klassenkampfflucht
auf der sprache des klassenkampfes: man beobachtet heutzutage den klassenfrieden – die scheinbare abwesenheit des eigentlichen klassenkampfes. die klassen kämpfen zwar, nur nicht gegeneinander. als antagonismus von produktionsverältnissen und produktionskräften ist er – zumindest partiell – erschöpft und wird transponiert in den bereich des kampfes gegen ein in der vergessenheit wiederholt geschaffenes feindbild, das die funktion des sündenbocks erfüllt: den flüchtling. ein frieden zwischen den klassen – der kampf gegen den flüchtling. der klassische konflikt zwischen den produktionskräften und den produktionsverhältnissen, die dialektik des klassenkampfes mit seiner ganzen unerträglich vorantreibenden last muss heutzutage ein geflüchteter in der dresdener bahn erleben. somit ist der klassenkampf selbst auf der flucht.

die ausbeutung hat mittlerweile solch ein niveau erreicht, dass man sogar froh ist, ausgebeutet zu werden. die selbstausbeutung (han) gilt dabei als das häufigste mittel zum überleben, also ist selbstausbeutung das überlebensmittel, da oft die eigene existenz auf dem spiel steht. es herrschen akzeptanz und status quo. sowohl die arbeitslosen als auch die lohnarbeiter kämpfen nicht gegen den ausbeuter – den kapitalisten – sie gehen zur arbeit, lassen sich ausbeuten, sie gehen nicht auf die strasse für bessere arbeitsbedingungen, sondern mit nazi-parolen, sie machen die geflüchteten für das elend verantwortlich, wählen afd und tauchen dadurch in eine noch viehischere und demütigendere ideologie ein. und das ist desperat: ein versuch aus der ideologie auszutreten scheitert und endet im sumpf einer noch böswilligeren. dieses phänomen lässt sich auch von einer anderen seite beobachten: es hat also nichts mit bildung oder sozialem status zu tun. einige vertreter der sogenannten gehobenen/gebildeten klasse (industrielle, intellektuelle, upper middle class usw.) kämpfen gegen dasselbe feindbild. hier haben wir es mit einer ziemlich obszönen konstellation zu tun: der kapitalist nimmt den arbeiter “in schutz”, zugleich beutet er ihn aus und wegen des elends, in welchem dann der arbeiter zu leben hat, beschuldigt er den flüchtling, der somit als objekt der veschachtelten ideologie auftritt: er ist der ausgebeutete und der ausbeutende zugleich. und darin besteht die wahre tragödie: die menschen, in denen sich auf eine schizophrene art die beiden seiten des klassenkampfes vereinigen, sind von dem dritten weltkrieg, angestiftet durch das empire im postkolonialen raum, geflüchtet. dieses los, die eigenschaften des ausbeuters und des ausbeutenden in sich zusammenzuschließen, ist die voraussetzung für ihre überlebensmittel: ihr überlebensmittelmeer (filanovsky).

ich bin schizo 2

le marteau sans maître / le marteau sans faucille
niemand denkt heutzutage an alternativen zum liberalen kapitalismus (jameson) und der gute alte widerstand mit dem schönen vorhaben die opernhäuser in die luft zu sprengen ist auch nicht mehr so sexy: der hammer ist dem meister längst entnommen worden. der einzige platz für ideologiekritik heutzutage befindet sich nur noch im bewusst-sein genau dieser tatsache, dass der austritt aus der ideologie nicht möglich ist. es ist einfacher, sich eine totale apokalypse (durch den klimawandel oder den großen doppelflageolettkrieg usw.) vorzustellen, als eine alternative zu dem system (žižek/jameson). der kapitalismus hat gesiegt und für uns bleibt nur noch, diesen bitteren fakt zu akzeptieren: die konkave bliebe noch, aber die können wir sonst nur an der leeren fahne abstumpfen.

ich bin schizo 1

wenn es für marx noch die kultur war, die – als ein teil des überbaus – nichts zur ideologie beitrug, sondern die ideologie sie bestimmte, diagnostizierten adorno und horkheimer 100 jahre später das gegenteil: dass die kultur ein reines sprachrohr der ideologie geworden sei und nur die sogenannte “avancierte” kunst den widerstand noch leisten könne. heute sind wir jedoch bittererweise dazu verdammt, eine art misere zu beobachten, bei der die meiste “avancierte” kunst ebenso von der ideologie verschluckt, verdaut und in form von flötenmutiphonics ausgeschieden wird. durch die massenmedien, das internet, gezielte facebook- und instagram-werbung und musik von hans zimmer u.ä. dringt die ideologie in jede pore des konsumenten ein. sie vereinigt die sämtlichen mechanismen, die die idee des nationalstaates, des empire (hardt, negri), den konsum, selbst die kriege und interventionen im namen des guten rechtfertigen und als etwas äußerlich äußerst demokratisches und ethisches vorgaukeln, uns davon überzeugend, dass sie selbst wahr und alles, was gerade passiert, ok ist: das notwendig böse im namen des angeblich guten.

diese zynische logik, nicht bloß der verblendung und des betruges, sondern des unabdingbar tückischen ersatzes, besteht letztendlich im schaffen von bedingungen, unter denen die realität unzugänglich bleibt und nur die wirklichkeit erlebt werden kann. die formel lautet: R = W – I, wobei R – realität, W – wirklichkeit und I – das von salmakis geküsste kind ist: I = W – R. der zwitter zeugt wirklichkeiten, schafft sich ein sicheres gehäuse, und WIR – die schlafenden im flauschigen traum – werden illusorisch glücklicher und geschützter. in ihrer ideologik ist der gastropode immer stimmig und besetzt zynisch die throne des erhabenen hierophanten.

wassiljew – « Mr Jock »


trio abstrakt + mauricio galeano (e-git)
klangregie: anton wassiljew
@biennale aktueller musik bremen
sendesaal bremen

bundeswehr-werbung


 
ich habe mich neulich aufgeregt:

Sehr geehrte Bundeswehr,
auf dem Weg zur Bremer Uni (Ecke Kulenkampffallee und Hermann-Heinrich-Meier-Allee) ist mir die folgende Werbung von Ihnen aufgefallen, die ich äußerst in­ad­äquat finde:
https://drive.google.com/open?id=10qnCyo8x_v77iI2lgGyxxR-AAof35_QU
 
Ich bitte um Ihre Stellungnahme dazu.
 
Vielen Dank.
 
Mit freundlichen Grüßen,
Anton Vasilyev

da kamm sogar eine antwort:

Sehr geehrter Herr Vasilyev,

vielen Dank für Ihr Schreiben an das Bundesministerium der Verteidigung. Aufgrund der zahlreich eingehenden Anfragen können nicht alle Schreiben durch die Ministerin persönlich oder die verantwortlichen Stellen im Bundesministerium der Verteidigung sofort beantwortet werden. Hierfür bitten wir um Ihr Verständnis. Der Bereich Bürgerdialog im Zentrum Informationsarbeit Bundeswehr wurde gebeten, sich Ihres Anliegens anzunehmen und Ihnen zu antworten.
 
Mit den aktuellen Plakatwerbungen stellen wir konkrete Tätigkeiten bei der Bundeswehr in den Mittelpunkt. Neben den klassischen militärischen Begriffen wie #Kämpfen oder #Führen stehen vor allem fachliche Begriffe aus der IT, Technik oder Medizin im Mittelpunkt unserer Werbung. Denn wir haben nicht nur im militärischen Bereich bedarf, sondern brauchen vor allem qualifizierte Fachkräfte. Mit starken Bildern und äußerst prägnanten Headlines, versehen mit einem Hashtag, begegnen wir der jungen Zielgruppe und verbinden klassische Außenwerbung mit dem digitalen Bereich.
 
Da in diesen Wochen für über 700.000 junge Menschen in Deutschland das letzte Schuljahr beginnt, starten wir gerade jetzt diese Berufekampagne. Ziel ist es die vielfältigen Möglichkeiten in der Bundeswehr nach dem Schulabschluss zu zeigen.
 
Die von Ihnen aufgezeigte Konnotation zum Begriff “Führen” mag im zivilen Bereich gelegentlich vorkommen, wird aber neutral betrachtet kaum wahrgenommen. Zum Beispiel heißt die Fahrerlaubnis auch weiterhin Führerschein und dort wird diese Konnotation auch nicht in den Vordergrund gezogen. Letztendlich liegt es aber wie bei vielen Dingen an der Wahrnehmung der Einzelperson, darauf haben wir keinen Einfluss.
 
In der Hoffnung Ihnen weitergeholfen zu haben, verbleiben wir mit freundlichen Grüßen.
Im Auftrag
 
Team Bürgerdialog

carmina burana: misheard lyrics

(via olaf)

körperbewegungen aus musikaufnahmen

facebook arbeitet zur zeit an einer app, die anhand einer musikaufnahme die bewegungen beim musizieren modeliert:

This is the first time anyone has tried to predict body movement from music alone. It’s an interesting piece of AR research, and it could also have wide-ranging applications for music not only in gaming, but in the real world, too. If you wanted to learn a piece of piano music, for example, you could simply input the audio and then mimic the key movements of the avatar pianist — much more fun than those seventh grade lessons you were forced into.

(via engadget)

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