posts tagged ‘60er’

concertino vs. piano drop

seit einigen jahren praktiziert russischer komponist georgy dorokhov sägen und zerstörung von geigen:

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“yoko ono piano drop” von fluxus klassiker al hansen scheint mir trotzdem überzeugender zu sein:


 
(via publique)

jani christou

das drive von 60er kann man nie wiederherstellen. und das braucht man auch nicht. trotzdem: klassiker zum frühstück: ein paar tolle videos von jani christou:

ein ausschnitt aus strychnine lady (1967):

und anaparastasis i (1968)

(via kontrakadenz)

lejaren hiller 2: computer cantata: ives + zeitschriften

“computer cantata” (1963) für ensemble, soprano und tape – die zweite große algorithmische komposition von lejaren hiller und robert a. baker. ursprünglich musste das stück “illiac suite ii” heißen und mit hilfe von “illiac ii” computer realisiert werden, der aber in jenem momet aus irgendwelchen gründen nicht funktionierfähig war, deswegen wurde es für ibm 7090 entschieden; und genau so wie in „illiac suite“ wurden die ganzen algorithmen in MUSICOMP implementiert.

das stück besteht aus 5 teilen und jeder teil besteht aus einer strophe mit prolog und epilog, wobei die algorithmische verfahren (stochastiche synthese verschiedener ordnung) den teilen symmetrisch zugewiesen wurde. also die form in dem sinne ist traditionell symmetrisch (vgl. incontri (1955) von luigi nono + werke von alten meistern).

i
prolog to strophe i (rhythm study for percussion)
random prelude to strophe i
strophe i (zeroth-order stochastic approximation)

ii
prolog to strophe ii (totally organized instrumental music)
strophe ii (first-order stochastic approximation)

iii
prolog to strophe iii
(polytempered computer sounds)
strophe iii (second-order stochastic approximation)
epilog to strophe iii (polytempered computer sounds)

iv
strophe iv (third-order stochastic approximation)
epilog to strophe iv (totally organized instrumental music)

v
strophe v (fourth-order stochastic approximation)
epilog to strophe v (rhythm study for percussion)

als textvorlage wurde eine nummer der zeitschrift “plays” benutzt. die ganzen vokalen und konsonanten aus der zeitschrift wurden analysiert und dementsprechend anhand stochastischer synthese die texte von allen strophen des stückes generiert.

die tonhöhen, dauern, pausen, dynamiken und spielarten sind das ergebnis der analyse vom zweiten satz aus charles ives‘s stück “three places in new england”.

es wurde gezählt, wie oft jede tonhöhe, dauer usw. vorkommt und anhand dieser wahrscheinlichkeitsverteilungen wurde die ganze musik generiert:

hier gibt es einen text von hiller und baker über ihre arbeit.

(kilian, danke für die infos und materialien!)

musikalisches reaktionärtum im namen von kommunismus

ich mag utopien. und den konsequenten glaube an utopien finde ich auch charmant.
auf youtube gibt es paragraph 1 aus »the great earning learning« (1968) von cornelius cardew.
und nach dem »great rebranding« dieses blogs spüre ich in mir sehnsucht nach dem alten. also passt.


 
hier gibt es das buch von cardew »stockhausen serves imperialism«.

und noch ein paar lieder aus der reihe »musikalisches reaktionärtum im namen von kommunismus«:
cornelius cardew, »smash the social contract«


 
hanns eisler, »der rote wedding« (1929)


 
allen ginsberg, “birdbrain” (1981)
 
und das versöhnendes werk von
joseph beuys, »sonne statt reagan« (1982)

unveröffentlichte aktionskunst von cage

im jahr 1934 hat george owen squier ein verfahren entwickelt, das übertragung von musiksignalen im raum ermöglichte. damals noch mit grammophonen, trichtern und natürlich mit radio. dies hat squier patentiert und die firma “wired radio” gegründet, die später in muzak inc. umbenannt wurde und noch später sich zu einer riesiegen industrie entwickelt hat, die als ziel akustische gestaltung von öffentlichen räumen hatte. das unternehmen existiert bis heute und macht musik z.b. für fahrstühle, hotels und shopping malls.
hier ist ein beispiel für eine solche produktion:

ende der 60er – anfang der 70er jahre hat raymond murray schafer den begriff acoustic ecology geprägt und war der hauptideologe der kanadischen bewegung gegen akustische umweltverschmutzung. an sich ist die idee ziemlich reaktionär (finde ich), aber der zeitgeist war da und das hauptargument war: zurück zu den ursprünglichen kalnglandschaften (soundscapes), das klangliche rauschen als produkt der kapitalistischen gesellschaft muss verdrängt werden. extensiv!

hier ein paar zitate –>
schafer, r. murray. the soundscape: our sonic environment and the tuning of the world. a.a.o., s. 3-4

the soundscape of the world is changing. modern humanity is beginning to inhabit a world with an acoustic environment radically different from any hitherto known. these new sounds, which differ in quality and intensity from those of the past, have alerted many researchers to the dangers of an indiscriminate and imperialistic spread of more and larger sounds into every corner of human life. noise pollution is now a world problem. it would seem that the world soundscape has reached an apex of vulgarity in our time, and many experts have predicted universal deafness as the ultimate consequence unless the problem can be brought quickly under control.

in various parts of the world important research is being undertaken in many independent areas of sonic studies: acoustics, psycho-acoustics, otology, international noise abatement practices and procedures, communications and sound recording engineering (electro-acoustics and electronic music), aural pattern perception and the structural analysis of language and music. these researches are related; each deals with aspects of the world soundscape. in one way or another researchers engaged on these various themes are asking the same question: what is the relationship between humanity and the sounds of its environment and what happens when those sounds change? soundscape studies attempt to unify these various researches.

noise pollution results when we do not listen carefully. noises are the sounds we have learned to ignore. noise pollution today is being resisted by noise abatement. this is a negative approach. we must seek a way to make environmental acoustics a positive study programme. which sounds do we want to preserve, encourage, multiply? when we know this, the boring or destructive sounds will be conspicuous enough and we will know why we must eliminate them. only a total appreciation of the acoustic environment can give us the resources for improving the orchestration of the world soundscape.

und zu muzak inc. –>
ebenda, s. 97

against the slop and spawn of moozak and broadcast music in public places a wave of protest is now clearly discernible. most notable is a resolution unanimously passed by the general assembly of the international music council of unesco in paris in october, 1969.
“we denounce unanimously the intolerable infringement on individual freedom and of the right of everyone to silence, because of the abusive use, in private and public places, of recorded or broadcast music. we ask the executive committee of the international music council to initiate a study from all angles—medical, scientific and juridical—without overlooking its artistic and educational aspects, and with a view to proposing to unesco, and to the proper authorities everywhere, measures calculated to put an end to this abuse.”

sogar john cage hatte das vorhaben bei muzak inc. ein stück einzureichen, das ausschliesslich aus 4½ minuten stille bestehen sollte und das muzak inc. als hintegrundsmusik in fahrstühlen laufen lassen sollte. cage hats aber nicht gemacht. das heisst nicht gescheitert, sondern (glaube ich) hat er kapiert, das das einfach nicht geht. im stück 4’33” geht es im gegenteil um totale akzeptanz und durch diese akzeptanz um das neu erschaffene hören.

hier ist dieser unveröffentlichte text von cage –>

cage, john. “a composer’s confessions.” musicworks 1992: 6–15. s. 15

i have, for instance, several new desires (two may seem absurd, but i am serious about them); first, to compose a piece of uninterrupted silence and sell it to the muzak co. it will be 4½ minutes long—these being the standard lengths of “canned” music, and its title will be “silent prayer.” it will open with a single idea which i will attempt to make as seductive as the color and shape and fragrance of a flower. the ending will approach imperceptibility.

der text steht auch vollständig online –> cage, john. “a composer’s confessions.”

ganz zu schweigen von stockhausen, der im gegenteil zu cage das nicht kapiert hat und überall in städten mikrofone und lautsprecher einrichten wollte, um phasen von alltagsklängen umzukehren, damit das rauschen der stadt ausgelöscht wird.

hier ist parsque rien no. 1 (1967-70) von luc ferrari, das für konzertsäle gedacht wurde, um zuhörer darauf hinzuweisen, dass man konzertsäle nicht unbedingt braucht, um alltäglichen klängen zu lauschen. menschen wollen aber ein gesellschaftliches event. also bitte eintrittskarte bezahlen!

(via kilian)