posts tagged ‘lachenmann’

ADSIT: Helmut Lachenmann

Abwertung des stofflichen innovativen Tausches: Helmut Lachenmann in Moskau als Fotowand-zum-Kopf-durchstecken.
 
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ADSIT: Niclas Thobaben: »cello-kamasutra«

Abwertung des stofflichen innovativen Tausches: Niclas Thobaben, “Cello-kamasutra”.
 

Keyboardstück III

über das neue #2

…auch die Erkenntnis von Stagnation – sie wäre Fortschritt.

helmut lachenmann, »Fortschritt«? (Irrtum ausgeschlossen – nicht »Foxtrott«??)

über das neue #3

Die Innovation besteht nicht darin, daß etwas zum Vorschein kommt, was verborgen war, sondern darin, daß der Wert dessen, was man immer schone gesehen und gekannt hat, umgewertet wird.
<…>
Als Umwertung der Werte ist die Innovation eine ökonomische Operation. Die Forderung nach dem Neuen gehört somit in der Bereich der ökonomischen Zwänge, die das Leben der Gesellschaft insgesamt bestimmen.

boris groys, »Über das Neue« (1992).

über das neue #4

[…] die Strategie der Innovation, wie sie von Duchamp praktiziert wurde, ist universell und liegt jedem innovativen Gestus zugrunde […].

Boris Groys, »Über das Neue« (1992).

über das neue #5

[…] Die Innovation valorisiert gerade die Aspekte des profanen Raums, von denen sich dieser selbst im Zuge der Bildung gerne befreien würde, die er überwinden möchte und die besonders ungeliebte Zeichen seiner Profanität sind. Dadurch, daß sich das elitäre Bewusstsein dem Profanen zuwendet und aus den profansten Dingen neue, exklusive Moden macht, stellt es sein elitäres Werk in immer neuen Formen wieder her, weil es sich von der gebildeten Masse und ihren zivilisatorischen Normen ständig entfernt. Dies wird durch die Demokratisierung und Massenproduktion der valorisierten Kultur ebenfalls permanent in Frage gestellt. Während sich die Masse dem als kulturell wertvoll Anerkannten zuwendet und es damit entwertet, besteht die kulturökonomische Strategie darin, diese Entwertung der kulturellen Werte durch die Valorisierung des Wertlosen zu kompensieren. Daher ist die Valorisierung des Wertlosen gleichermaßen ein Zeichen der Demokratisierung der Kultur wie auch des Widerstandes gegen diese Demokratisierung.

Boris Groys, »Über das Neue« (1992).

über das neue #6

Kunstwerke oder theoretische Diskurse, die die Innovation ihrer Zeit nicht kennen oder nicht berücksichtigen, werden aus dem kulturellen Gedächtnis verdrängt sein und in den profanen Raum als Gegenstände der Massenkultur überwechseln, obwohl sie als kulturelle Werte erdacht wurden und sogar eine Zeitlang als solche funktioniert haben können. […] Im kulturellen Gedächtnis wird also nicht das aufbewahrt, was seine eigene Zeit transzendiert, nicht das, was das Universelle, Außerzeitliche, Ewige und Wahre repräsentiert, sondern das, was am radikalsten zeitgebunden ist: es ist in der Tat überflüssig das Ewige kulturell aufzubewahren.

Boris Groys, »Über das Neue« (1992).

Über das neue #6

Bei eingehender Betrachtung stellt sich jedoch heraus, daß Produktion selbst nur eine bestimmte Form des Verbrauchs ist, während die reine Kontemplation, d.h. der reine Verbrauch, neue Werte zu erzeugen vermag.
Der Grund dafür besteht hauptsächlich darin, daß nur dann, wenn neue Verbrauchsformen geschaffen werden, auch die Produktion entsteht, die diesen Verbrauch decken muß. Letzten Endes ist die innovative Praxis also nicht Produktion, Arbeit oder ästhetisches Gestalten, das als Fortsetzen der valorisierten Kultur zu verstehen ist, sondern der kontemplative Wandel in den Verbrauchsweisen, ein neuer Umgang mit den Dingen sowie ihre Auf- und Abwertung. […] Die Kommerzialisierung dieser Aufwertung schafft Moden, auf die als Reaktion ein neuer innovativer Tausch folgt, der dann wieder von der Kommerzialisierung abgelöst wird. Der kontemplative Umgang mit den Werten der Kultur, der ihre http://deutsche-edpharm.com/cialis/ reine Konsumierung, Vernichtung, Verschwendung bedeutet, hat also auch in unserer produktionsorientierter Kultur immer noch seine Gültigkeit. Der tiefere Grund dafür ist sicherlich die ständige Bedrohung des Produktionsprozesses, die in den kontemplativen, kulturellen Formen beschworen wird. Das Profane ist […] eine nie versiegende Quelle der Angst vor der völligen Vernichtung der Kultur und aller ihrer Werte sowie der vollständigen Auslöschung aller kulturellen Hierarchien. Daher wird jede Kritik an der Kultur, auch die radikalste, von ihr selbst begrüßt und valorisiert, denn diese Kritik bleibt weiterhin innerkulturell. Es wurde längst festgestellt, daß die destruktivsten, dämonischsten, aggressivsten, negativsten und profanierendsten Texte der Kultur gern von ihr angenommen werden, während kein »positiver«, wohlmeinender, konformer Text echten Erfolg in ihr haben kann.

Boris Groys, »Über das Neue« (1992).