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ich bin schizo 1

wenn es für marx noch die kultur war, die – als ein teil des überbaus – nichts zur ideologie beitrug, sondern die ideologie sie bestimmte, diagnostizierten adorno und horkheimer 100 jahre später das gegenteil: dass die kultur ein reines sprachrohr der ideologie geworden sei und nur die sogenannte “avancierte” kunst den widerstand noch leisten könne. heute sind wir jedoch bittererweise dazu verdammt, eine art misere zu beobachten, bei der die meiste “avancierte” kunst ebenso von der ideologie verschluckt, verdaut und in form von flötenmutiphonics ausgeschieden wird. durch die massenmedien, das internet, gezielte facebook- und instagram-werbung und musik von hans zimmer u.ä. dringt die ideologie in jede pore des konsumenten ein. sie vereinigt die sämtlichen mechanismen, die die idee des nationalstaates, des empire (hardt, negri), den konsum, selbst die kriege und interventionen im namen des guten rechtfertigen und als etwas äußerlich äußerst demokratisches und ethisches vorgaukeln, uns davon überzeugend, dass sie selbst wahr und alles, was gerade passiert, ok ist: das notwendig böse im namen des angeblich guten.

diese zynische logik, nicht bloß der verblendung und des betruges, sondern des unabdingbar tückischen ersatzes, besteht letztendlich im schaffen von bedingungen, unter denen die realität unzugänglich bleibt und nur die wirklichkeit erlebt werden kann. die formel lautet: R = W – I, wobei R – realität, W – wirklichkeit und I – das von salmakis geküsste kind ist: I = W – R. der zwitter zeugt wirklichkeiten, schafft sich ein sicheres gehäuse, und WIR – die schlafenden im flauschigen traum – werden illusorisch glücklicher und geschützter. in ihrer ideologik ist der gastropode immer stimmig und besetzt zynisch die throne des erhabenen hierophanten.

ich bin schizo 10

die meisten musikstücke sprechen eine fremdsprache : eine in der verzweiflung gepflegte musiksprache. als ursache hat dieser status quo die ideologische ausweglosigkeit. als künstler ist man verzweifelt im kampf und beruhigt in sich. die meisten heutzutage geschriebenen, zu aufführenden und aufgeführten werke sind immer noch weiße fahnen vor den truppen der ideologie. l‘art pour l‘art, l‘art des désespérés. die argumente beim ergeben sind üblich: man kann ja ohnehin nichts tun, also fällt sich die opportunistische entscheidung “apolitisch” – oder faktisch: naiv – zu bleiben und sich mit dem 72. oberton zu beschäftigen leicht. die haltung ist die einer beute im fangeisen, die sich vergeblich versucht zu erlösen. die eidechse verliert den schwanz, ein neuer wächst schnell nach und der meister beschäftigt sich schließlich mit dem 73. oberton, was ihn augenblicklich und unausweichlich in die nächste falle steuert. die heiligen behaupten irrtümlich: bleibt die scheiße unangetastet, stinkt sie nicht. die neue musik als kunstsparte bleibt aber weiterhin ein schizophrener waschsalon der industriegelder.

die shizophrenie spiegelt sich auch im klangbegriff selbst wider, der heutzutage keine eindeutige identität besitzt: er wird ad hoc für die gerade angestrebten ziele instrumentalisiert: für einen ist es fagottmultiphonic, für den anderen ist es ein violinschlüssel vor dem bild einer atombombe: ein vorbild der guten schlampigkeit! nichtsdestotrotz sind in den letzten jahren einige werke im bereich der neuen musik entstanden, die es sich zu aufgabe machen, die sich viel zu schnell aktualisierende sprache der ideologie zu erlernen. immerhin kommt es darauf an, wofür man das maul nicht hält, nachdem man sich beim sprachkurs mühe gegeben hat. die neue musik ist ein ausländer im land der ideologie, ist beim siemens-jobcenter angemeldet und muss zum intergrationskurs. jedoch hat dieser schizophrene sprachunterricht eine enorme bedeutung für den künstlerischen zugang zum klassenkampf. es geht im grunde genommen nicht darum, dass man “arbeiter” zum musizieren anregt und mit ihnen “vermittlungsprojekte” macht, die sie auf eine halbpädagogische-halbüberhebliche art und weise “aufklären” sollen. der einzige künstlerische anschluss an den klassenkampf kann über die mechanismen der ideologie zur generierung von wirklichkeiten selbst gewährleistet werden. die ideologiekritik devalviert zum aktiven beobachten der zynischen differenz zwischen der realität und den wirklichkeiten. sie kann nicht praktiziert werden im sinne eines versuches aus der ideologie auszutreten oder etwas per se nicht-ideologisches zu tun, sondern im thematisieren genau der unmöglichkeit dieses austrittes.

das kunstwerk etabliert demnach eine eigene realität, die sich von der gewohnten realität unterscheidet. es konstruiert, bei aller wahrnehmbarkeit und bei aller damit unleugbaren eigenrealität, zuglleich eine dem sinne nach imaginäre oder fiktionale realität. die welt wird, wie in anderer weise auch durch den symbolgebrauch der sprache oder durch die religiöse sakralisierung von gegenständen oder ereignissen, in eine reale und eine imaginäre realität gespalten. offenbar hat die funktion der kunst es mit dem sinn dieser spaltung zu tun – und nicht einfach mit der bereicherung des ohnehin vorhandenen durch weitere (und seiein es »schöne«) gegenstände.
die imaginäre welt der kunst – so wie in anderer weise auch die welt der sprache mit ihrer möglichkeit der fehlverwendung von zeichen oder der welt der religion – bietet eine position, von der aus etwas anderes als realität bestimmt werden kann.
ohne solche differenzmarkierungen wäre die welt einfach das, was sie ist, und so, wie sie ist. erst die konstruktion einer unterscheidung von realer und fiktionaler realität ermöglicht es, von der einen seite aus die andere zu beobachten.

(luhmann, die kunst der gesellschaft)

die welt ist ohnehin nicht das, was sie zu sein scheint. übersetzt in unsere begriffe, ist die “reale realität” wirklich und die “imaginäre realität” ist hingegen unerreichbar real, da die ideologie unaufhörlich neue verfahren kreiert, ständig ihre sprache nachrüstet und neue für sie gerade notwendige medien entwickelt, um die schon bestehenden wirklichkeiten weiterhin zu zersplittern. die funktion der kunst bestünde schließlich im thematisieren der spaltung nicht nur in der dyade wirklichkeit/realität, sondern auch der durch das letztere verursachten spaltung in den in der kapitalistischen irrenanstalt befindlichen patienten. dieses potenzial der linderung der schizophrenen agonie realisiert die kunst durch die wirkliche imagination, durch das imaginäre modellieren der bedingungen der realen unmöglichkeit den ideologischen raum zu verlassen. und wenn die kunst dafür das maul aufmalt, flüstert sie auf der indigenen sprache. das medium der kunst <= das medium der ideologie. da das letztere immer weiter unerschöpflich und mit einer eingeübten virtuosität fabriziert wird, wäre der allgemeine materialfortschritt der kunst ebenso unerschöpflich bzw. bis die kunst noch nötig bleibt.

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das bezugnehmen auf den alltag in einer künstlerischen arbeit, die kritische auseinandersetzung mit der unmittelbaren umgebung des kunstwerkes und seines entstehens ist spätestens seit duchamp keine neuigkeit. gleichwohl entstehen verstärkt und verspätet in letzten jahren denkweisen auch im bereich der neuen musik, die als unmittelbare reaktion auf die sich immer weiter expandierte ideologie sowie auf die dadurch immer rasanter zunehmende schizophrenie unserer gegenwart zu interpretieren sind. so befasst sich beispielsweise der begriff der diesseitigkeit als phänonenologie der gegenwärtigen entwicklungen im bereich der neuen musik sowie als arbeitsmotto (n.a. huber) zugleich mit dem problem schon in dem sinne, dass die basis dieser herangehensweise eine künstlerische auseinandersetzung mit den zu erlebenden wirklichkeiten ist. immerhin fehlt dabei eine komponente, die darauf einginge, was hinter den wirklichkeiten steckt – sprich, auf die realität und ihre durch die ideologie verursachte unzugänglichkeit. so weist nicolaus a. huber darauf hin, dass der begriff der diesseitigkeit als solcher undialektisch sei und eine gewisse jenseitigkeit dazu auch gehöre. dem begriff fehle der gegenpol. wobei die dyade diesseits/jenseits hier keinesfalls im metaphysichen sinne (leben nach dem tod oder ähnlicher blödsinn) zu verstehen ist, sondern als verhältnis zwischen den diesseitigen wirklichkeiten und der durch die ideologie jenseits unzugänglichen realität. die funktion der kunst bestehe dann im zeigen der unmöglichkeit des zeigens dieser zum teil und nach kräften imaginäre differenz zwischen den wirklichkeiten und der realität. und in dieser differenz, in der kompletten verschleierung der realität, im verzerren der sachverhalte bis zur unkenntlichkeit, im erheben der realität wegen ihres fatalen unzugänglichseins zu einer art gottheit, im verleihen ihr den status des erhabenen besteht die falsche poesie der ideologie.

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le marteau sans maître / le marteau sans faucille
niemand denkt heutzutage an alternativen zum liberalen kapitalismus (jameson) und der gute alte widerstand mit dem schönen vorhaben die opernhäuser in die luft zu sprengen ist auch nicht mehr so sexy: der hammer ist dem meister längst entnommen worden. der einzige platz für ideologiekritik heutzutage befindet sich nur noch im bewusst-sein genau dieser tatsache, dass der austritt aus der ideologie nicht möglich ist. es ist einfacher, sich eine totale apokalypse (durch den klimawandel oder den großen doppelflageolettkrieg usw.) vorzustellen, als eine alternative zu dem system (žižek/jameson). der kapitalismus hat gesiegt und für uns bleibt nur noch, diesen bitteren fakt zu akzeptieren: die konkave bliebe noch, aber die können wir sonst nur an der leeren fahne abstumpfen.

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klassenkampfflucht
auf der sprache des klassenkampfes: man beobachtet heutzutage den klassenfrieden – die scheinbare abwesenheit des eigentlichen klassenkampfes. die klassen kämpfen zwar, nur nicht gegeneinander. als antagonismus von produktionsverältnissen und produktionskräften ist er – zumindest partiell – erschöpft und wird transponiert in den bereich des kampfes gegen ein in der vergessenheit wiederholt geschaffenes feindbild, das die funktion des sündenbocks erfüllt: den flüchtling. ein frieden zwischen den klassen – der kampf gegen den flüchtling. der klassische konflikt zwischen den produktionskräften und den produktionsverhältnissen, die dialektik des klassenkampfes mit seiner ganzen unerträglich vorantreibenden last muss heutzutage ein geflüchteter in der dresdener bahn erleben. somit ist der klassenkampf selbst auf der flucht.

die ausbeutung hat mittlerweile solch ein niveau erreicht, dass man sogar froh ist, ausgebeutet zu werden. die selbstausbeutung (han) gilt dabei als das häufigste mittel zum überleben, also ist selbstausbeutung das überlebensmittel, da oft die eigene existenz auf dem spiel steht. es herrschen akzeptanz und status quo. sowohl die arbeitslosen als auch die lohnarbeiter kämpfen nicht gegen den ausbeuter – den kapitalisten – sie gehen zur arbeit, lassen sich ausbeuten, sie gehen nicht auf die strasse für bessere arbeitsbedingungen, sondern mit nazi-parolen, sie machen die geflüchteten für das elend verantwortlich, wählen afd und tauchen dadurch in eine noch viehischere und demütigendere ideologie ein. und das ist desperat: ein versuch aus der ideologie auszutreten scheitert und endet im sumpf einer noch böswilligeren. dieses phänomen lässt sich auch von einer anderen seite beobachten: es hat also nichts mit bildung oder sozialem status zu tun. einige vertreter der sogenannten gehobenen/gebildeten klasse (industrielle, intellektuelle, upper middle class usw.) kämpfen gegen dasselbe feindbild. hier haben wir es mit einer ziemlich obszönen konstellation zu tun: der kapitalist nimmt den arbeiter “in schutz”, zugleich beutet er ihn aus und wegen des elends, in welchem dann der arbeiter zu leben hat, beschuldigt er den flüchtling, der somit als objekt der veschachtelten ideologie auftritt: er ist der ausgebeutete und der ausbeutende zugleich. und darin besteht die wahre tragödie: die menschen, in denen sich auf eine schizophrene art die beiden seiten des klassenkampfes vereinigen, sind von dem dritten weltkrieg, angestiftet durch das empire im postkolonialen raum, geflüchtet. dieses los, die eigenschaften des ausbeuters und des ausbeutenden in sich zusammenzuschließen, ist die voraussetzung für ihre überlebensmittel: ihr überlebensmittelmeer (filanovsky).

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prenzlauer berg
die menschen dort sind meist gebildet und aufgeklärt. sie haben es gerne schön. und natürlich sind sie von der unabdingbaren schizophrenie des sachverhaltes auch nicht geschützt: man macht mit, man mags nicht, aber irgendwie auch doch und man macht weiter mit. gegen das schlechte gewissen nimmt man dann das fair-trade-öko-placebo. dies spendet ruhe und gewährleistet gesunden schlaf. es gibt einem das gefühl, dass man nicht nur ein herzloser konsument in der gentrifizierten gehenna ist, sondern auch als ein besser werdender mensch etwas zu einer besseren welt beiträgt. also weiß der konsument, dass der klassenkampf wie auch immer gegen wen verloren ist und er akzeptiert seine niederlage, indem er das rechtfertigende angebot der ideologie annimmt und sich dadurch für die postkoloniale misere illusorisch entschuldigt. man zahlt nur ein bisschen mehr: eine kleine postkoloniale solidaritätssteuer. sie wissen, was sie tun und sie tun es trotzdem (žižek). durch diese indulgenz versucht man aus der ideologie auszutreten, indem man etwas gutes tut, etwas dagegen macht, man gelingt aber in eine falle, die die ideologie errichtet hat, um sich zu rechtfertigen: man bezahlt menschen aus afrika “fair”, damit sie etwas länger fair fern bleiben und das ganze elend bei sich zuhause besser verkraften können (žižek). afrika musste ja naturressourcen exportieren, heutzutage muss der kontinent menschen exportieren.
die flucht erscheint hier als eine der effektivsten und der zynischsten, wenn nicht die zynischste erscheinungsform der ideologik schlechthin, die genau das verlassen des ideologischen raumes unmöglich macht. auf diese art ergibt sich eine dead-end-situation, in der jeder potenziell aus der ideologie führender schritt im ideologischen schlamm versinkt. das sich-bewusst-machen von dieser tatsache, vom abgründigen unterschied zwischen der wirklichkeit und der realität, von der unmöglichkeit die eigentliche realität zu erleben, ist die grundlage für die ideologiekritik, die dann dazu verdammt ist, verschluckt, verdaut und in form von flötenmultiphonics ausgeschieden zu werden.

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instagram
der rund um die uhr leuchtende touchscreen ist ein teil der globalen kanalisation, durch die sich die ideologie geschmeidig ausbreitet. die smartphones – gepaart mit den sozialen netzwerken – spalten die ohnehin bestehenden wirklichkeiten oder sogar: sie deligieren uns diese aufgabe, die wir freiwillig, dienend und gehorsam erfüllen. mittlerweile existieren apps, mit denen sich ein bierbauch in ein sixpack umwandeln lässt. instagram macht jedes ding zu seinem besseren klon: in der durch die app geschaffene wirklichkeit beschleunigt sich die evolution selbst: alles wird schöner, perfekter, glänzender (han) und konsumierbarer: der glitzer-bierbauch wird zu einer urgeilen version von sich selbst, wird überaus begehrenswert und anlockend, wir werden zu elstern – und tada! – : der jetzt-einkaufen-button wird gepickt. in den sozialen netzwerken wird es freiwillig und illusionär zur schau gestellt, dass man wohlhabender, erfolgreicher und dass das eigene leben besser und stressfreier ist, als in der wirklichkeit. es wird eine fassade errichtet, die dann zu überzeugen hat, dass die ganze misere draußen gar nicht so schlimm sei. auf diese art wird die ideologie aufgehübscht und wir begehren sie weiter. im schizophrenen kosmos imaginiert man sich selbst, man varieert sich, stärkend ohnehin schizophrene situation: um sich zu verwirklichen, schafft man sich wirklichkeiten. in einem endlosen labyrinth erzeugt man umkopien von sich selbst, dissoziierend in der ideologischen lösung, ohne einen weg zur realität zu finden.

zimmer
“gehts du heute abend ins fühlkino, henry?” fragte die prädestinationsassistentin.
“der neue film im gloria-palast soll prima sein. es kommt eine liebesszene auf einem bärenfell darin vor. einfach wundervoll, sagen die leute. man spürt jedes einzelne bärenhaar. unglaubliche fühleffekte.”

aldous huxley, «schöne neue welt»

man überlegt heutzutage ziemlich grundsätzlich, ob man einen film im kino guckt und dafür geld ausgibt oder lieber zuhause vor dem ohnehin bezahlten netflix bleibt. und falls man sich doch für die extra-outside-behandlung entscheidet, kriegt man eine verhältnissmäßig günstige ideologie-injektion. als sich adorno und horkheimer 1944 wegen des hollywood-kulturbetriebes zurecht aufregten, ahnten sie vermutlich schon, dass es nur noch infamer werden kann. im kommerziellen bereich werden heutzutage produktionen entwickelt, die den anspruch haben, eine weitere wirklichkeit zu schaffen. der technische fortschritt ermöglicht das erzeugen von bildern und klängen, die wirklicher als die wirklichkeit selbst sind. auf der wahrnehmungsebene erlebt man reize, die im leben draußen gar nicht zu erleben sind. dies wird gängig und gerne als hyperrealismus bezeichnet, wobei es mit der realität genau so wenig gemeinsam hat, wie gonorrhö und honorar. das verfahren fälscht die wirklichkeit und erzeugt eine weitere, die realität noch stärker verschleiernd. es werden primäre, archaische mechanismen in gang gesetzt, die uns dann überzeugen sollen: wenn schon so tolle erfahrungen mit den bildern erlebt werden können, kann das ganze doch nicht so schlimm sein. ein kino mit seinem propaganda-potenzial wird zu einem heiligen ort, einem ort des erhabenen, einem tempel der ideologie, in dem auch jeder sound wie ein falscher diamant poliert, geformt und in die krone der ideologie gesetzt wird. hans zimmer mit seinem braven sklaventeam erscheint hier als juwelier.

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keksenlibido und autowaffenfrieden
klang als ein teil des konsumanreizsystems ist unabdingbar im bereich des industriellen designs: jeder keks, jede autotür, jede einkaufstüte muss angenehm klingen. isst man reichlich kekse, wird man dicker, man gibt geld für das fitness-studio aus, um das übergewicht loszuwerden, um sexuell begehrt zu sein. die kekse gehen ins libidinöse. ohne autos gibt es in deutschland keinen frieden und der krieg in form von waffen wird exportiert. klingt die bio-einkaufstüte gut, benutzt man diese gerne, trägt zur umweltrettung bei und wird wiederum ein besserer mensch. die wahre beichte findet wie immer an der kasse statt. die jagdpfeifen werden akustisch genauso wie funktionell oder äußerlich wie juwelen poliert.

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1965 beschrieb dick higgins den ihm zeitgenössichen materialstand der kunst als intermedial. in seinem artikel «statement on intermedia» konstatierte er, dass immer wieder mehr kunstwerke entstehen, die mehrere medien miteinbeziehen und ihre wirkung auf der intermedialen ebene entfalten. nach dieser auffassung sind die medien noch trennbar. im kontext eines kunstwerkes kommt es zu wechselwirkungen und zum ineinanderdringen der medien, wobei es sich nicht um ein bloßes zusammensetzen handelt, sondern um eine fusion auf der inhaltlichen (und noch nicht auf der medialen bzw. physischen) ebene. jedes prämedium ist ein unverzichtbarer teil des kunstwerkes. higgins plädierte in dem text für das schaffen von werken nach dem paradigma. dabei nahm er bezug auf seine eigene arbeit sowie auf die werke u.a. von marcel duchamp, allan kaprow, robert rauschenberg, john cage und nam june paik.

durch den technischen fortschritt und die digitalisierung ist heutzutage die wahre zeit der intermedialität angekommen. dabei handelt es sich nicht mehr bloß um eine “konzeptuelle fusion” der medien, sondern um medienunspezifische phänomene, um eine art medienindifferenz (z.b. umsetzung desselben stoffes in verschiedenen medien). diese weitere stufe der hybridisierung lässt sich unter dem begriff der transmedialität zusammenfassen: die medien verschmelzen nun medial. und durch die digitalisierung wird diese transferenz erst möglich. dieses ineinanderdringen ereignet sich qualitativ im neuen, bisher nie dagewesenen umfang, da jedes medium die lingua franca spricht – die universelle sprache des bits. unter den bedingungen der totalen integration lässt es sich von einem medienverbund sprechen: der begriff des mediums versteht sich nur als pluraletantum.

davon ausgehend entsteht das kunstkonzept eines neuen gesamtdatenwerkes oder eines medialen gesamtkunstwerkes, das ontologisch intermedial sei, als hätten sich alle medialitäten und deren differenziale “an einem ort” eingefunden, damit wir sie da immer “im laufenden prozess beobachten können.
hier verschwinden die medialen unterschiede überhaupt; schrift, bild und ton bestehen bei der digitalen prozedur nicht aus dem eigenen material, sondern aus den im grunde genommen homogenen binären zahlen. sie strahlen vertrautheit wie analoge medialitäten der moderne aus, aber nur auf den polierten oberflächen, darunter bleiben sie reine ziffern.

durch die immer-noch-potenz der heutigen noch-nicht-postmedien etwas materielles zu repräsentieren, und zwar auf der lingua franca, ergibt sich der anschluss an die hier behandelte problematik der ideologiekritik: durch die immer-noch-repräsentation von dem wirklich objekthaften wird das thematisieren der ideologiekritischen dimension möglich im sinne der verhüllten differenz zwischen der realität und der wirklichkeit.

glasfaserkabel übertragen eben jede denkbare information außer der einen, die zählt – der bombe.

darüber hinaus lässt sich gegenwärtig ein anderes mediales phänomen beobachten, nämlich das der zunehmenden verschmelzung des menschlichen körpers und der medien. in diesem zusammenhang entsteht eine neue medialität: die postmedialität. im grunde genommen handelt es sich dabei um die verschiebung der grenzen von autonomieräumen: die maschine wird menschlicher und der mensch wird maschinenhafter, die handlungsautonomie des menschen löst sich zunehmend auf, da sein handeln durch die funktionsweise der maschine bestimmt wird. so beispielsweise schaffen gps-navigationssysteme situationen, die die menschliche handlung immens beeinflussen (selke). immer mehr “menschliche” aufgaben übernehmen produkte der technologie. und der mensch folgt der maschine maschinenhaft. das funktionsprinzip wird zum handlungsprinzip.

millionen tragen heutzutage implatate und neuroprothesen, die wichtige körperfunktionen übernehmen und wissenschaftler arbeiten an gehirngesteuerten computern. der mensch der zukunft ist also kein kranker mit prothesen, sondern ein gesunder superheld mit extratools. chinesische unternehmen lassen ihre mitarbeiter helme tragen, die den physischen und psychischen zustand der arbeiter einschätzen sollen, um die effizienz der produktion zu steigen: in einem chinesischen gulag wird ein sklave gekrönt: die ideologie bohrt ins herz. durch das permanente livelogging (allan, o‘hara, sonvilla-weiss) z.b. in form von stories in den sozialen netzwerken (byrne) verschmizt der ohnehin konstruierte lebenslauf mit dem server. heutzutage ist es immer bewölkt und das private gehört ebenso in die cloud.

wir beobachten seit jahrzehnten steigende miniaturisierung und dematerialisierung von heutigen medien. im zeitalter der postmedialität würden die grenzen zwischen den medien und dem menschlichen körper verwischen. durch das eindringen in den körper, in ihr nervensystem würden menschen einen konstanten zugang zur globalen cloud haben. auf diese art würde ein vernetztes cerebrum entstehen. dabei ist es auch nicht auszuschließen, dass alle wahrnehmungssinne zu einem und die medien eins mit dem körper werden. so würde sich das hypermedium herausbilden: der sich auf der entsprechenden evolutionsstufe befindende biocyborg der transhumanen gesellschaft.

wir leben in einem neuen stadium des kapitalismus, in dem materielle und immaterielle produktion, wissen, kommunikation und künstlerisches handeln in ein und demselben prozess der realwerdung einer kollektiven intelligenz verschmelzen.

der nächste konsequente schritt wäre die befreiung des menschlichen wesens von seiner dreckigen körperlichkeit und unnötigen sterblichkeit. in diesem sinne würde ideologie ihr heiß ersehntes ziel endlich erreichen: über die situation, in der der biocyborg auf der bionischen ebene aus der ideologie nicht austreten kann, zu der situation, in der der körper nicht mehr nötig sein wird und das mit den medien in der cloud fusionierte bewusstsein in der zukunft zum eigentlichen medium der ideologie wird: die ideologie und das bewusstsein werden endlich eins. die medien, wie wir sie kannten, würden als solche verschwinden und mit dem körper verschmelzen, was sie im ideologischen sinne höchst effizient machen würde. das wäre das logische ende/der neubeginn: die kunst – wie wir sie kennen – wäre dann nicht mehr nötig, da der mensch unsterblich wäre und die schizophrenen schmerzen durch die organische vereinigung der ideologie und des bewusstseins sowieso komplett behandelt wären: der kampf wäre irreversibel verloren. und eine violine wäre dann nur noch im museum zu sehen.

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die kunst muss unterscheidungen schaffen, sonst kann sie vom alltag nicht getrennt und als kunst nicht erkannt werden (luhmann). die kunst kreierte im laufe ihrer geschichte neue medien bis sie den logischen endpunkt dieses prozesses erreicht hat:

ein blick in die geschichte der kunst zeigt, daß naturale medien (wahrnehmungsmedien) zwar immer vorausgesetzt sind, aber daß die kunst sich im laufe ihrer entwicklung zusätzlich eigene medien schafft, und zwar deshalb, weil sie unterscheidungen anbringen will.

die verwendung der gesellschaft als medium wäre der logische abschluss einer solchen entwicklung, ihr non plus ultra. denn da die kunst als kommunikation selbst vollzug von gesellschaft ist, könnte sie sich dann auch selbst als medium verwenden und in einer art von logischem kurzschluß kollabieren, anstrengungen in dieser richtung, in der die kunst sich schließlich alles erlaubt, sind auf programmatischer ebene unschwer auszumachen.
(niklas luhmann, das medium der kunst)

oder mit anderen worten: die kunst hat ihr mittlerweile als allgemeinplatz geltendes ende des materiellen materialfortschritts erreicht, ohne dabei die schizophrenen schmerzen zu beseitigen. und die ideologie betreibt im transmedialen raum unaufhörlich ihr forschungsprojekt für das eigene kanalisieren, sie dringt durch und in jedes medium sowie in uns ein, egal ob durch klang, licht, luft, smartphone, tablet, instagram, facebook, fernsehen, radio, ampel, stuhl. mit ihren zwanghaft begehrbaren produkten und listigen lügen kurbelt sie unsere von ihr tückisch enteignete libido an, sodass wir zunehmend auf sie stehen. sie benutzt jede möglichkeit und durch den technischen fortschritt sind diese möglichkeiten unerschöpflich. sie überzeugt uns in der indiffirenz zwischen der realität und den von ihr selbst geschaffenen – und von uns sehbaren – wirklichkeiten, zwischen denen wir leben, bevorzugt sie aber mediale indifferenz und macht keinen unterschied, womit sie sich kanalisiert. anything goes für sie. sie ist universell und sie schafft immer neue universelle medien. sie konstruiert minutiös und aktualisiert regelmäßig ihre mediale sprache. und solange sich der menschliche körper noch einen minimalen autonomieraum leisten kann, ist diese “linguistik” in der form unerschöpflich. die evolution der ideologie hat den sachlichen materialstand der kunst längst überholt. und solange dies alles geschieht, bleibt auch die kunst bestehen, da die ideologie eine grenzlose quelle des materials anbietet.

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